Traditionelle Kostüme

Pierrot Basler Fasnacht - Pierrot

Ideal im frühen 19. Jahrhundert

Der Pierrot der Basler Fasnacht findet sein Ideal wohl am ehesten im Pierrot des frühen 19. Jahrhunderts. Der Pantomime Jean-Gaspard Deburau hat die Figur damals in Paris geprägt. Bei ihm sehen wir zum Beispiel das schwarze Käppchen, das beim Basler Pierrot meist aus Filz besteht. Hinzu kommt seine etwas melancholische verträumte Art.

Vorläufer sind Dienerfiguren der Commedia dell’arte

Dieser Pierrot wiederum hat seine Vorläufer zweifelsohne in sogenannten Dienerfiguren (Zani) der Commedia dell’arte. Gesichert scheint die Tatsache, dass die Figur im 16. Jahrhundert durch italienische Theatergruppen nach Frankreich gekommen ist und sich dort als Pierrot herausgebildet hat.

Pendant zum Pedrolino?

So kannte die Commedia dell’arte zum Beispiel einen Pedrolino. Aufgrund gemeinsamer Merkmale (gleicher sozialer Status, Diminutiv von Peter, weisse Bluse und Hose, keine Maske) vermuten manche Autoren, dass der Pierrot des 17. Jahrhunderts das französische Pendant zum Pedrolino ist.

Pedrolino als erster Zani

Aufgrund der Tatsache, dass Pedrolino in einigen Szenarien Flaminio Scalas (1611) als Intrigant auftritt, halten ihn manche Autoren für einen ersten Zani. Der erste Zani übt eine aktive Rolle aus, handelt absichtlich und dabei oft auch bösartig oder hinterlistig. Dies würde eher gegen eine direkte Verbindung zwischen den beiden Figuren sprechen.

Pedrolino als zweiter Zani

Andere Autoren verweisen darauf, dass die ebenfalls bei Scala beschriebenen Eigenschaften des Pedrolino – verliebt, einfältig, anmutig, elegant, abwartend sich bereits im 16. Jahrhundert manifestierten und ihn zu einem zweiten Zani machen. Ein Schauspieler namens Giratone (2. Hälfte des 17. Jahrhunderts) betont seine Naivität und Treuherzigkeit. Und in der Tat sind das oft auch diejenigen Eigenschaften, die wir beim Pierrot vorfinden. So auch bei Molière, dessen Pierrot (1665) als dümmlicher verliebter Bauer erscheint.

Pierrot als Pulcinella?

Andererseits existieren Quellen, die behaupten, dass der Pierrot eher als Pulcinella (Ursprünglich eine Figur des süditalienischen, neapolitanischen Volkstheaters) zu verstehen ist. Und zwar als denjenigen Pulcinella der als Dummkopf ebenfalls die Rolle eines zweiten Zani innehat. Diese Sicht gründet auf dem Umstand, dass der Pierrot der frühen comédie italienne meistens eine ähnliche Rolle ausübt. Als passive Figur kommentiert er die Handlungen von der Peripherie aus.

Figuren im Wandel

Letztendlich ist die Quellenlage zu dünn, um genau sagen zu können, wie sich die Figur eines Pierrot genau entwickelt hat. Man kann davon ausgehen, dass sich die Rollen und Charaktereigenschaften eines Pedrolino oder eines Pierrot im Verlauf der Zeit, abhängig von Autoren und Darstellern, verändert haben. Es waren sozusagen Figuren im Wandel und es kam zu Überschneidungen, so dass die Grenzen zwischen Erscheinungen wie Pulcinella, Pedrolino, Pagliaccio, Pierrot und Paillasse zeitweise fliessend waren.

Kostüm

Das Kostüm des Basler Pierrot ist in der Regel farbig und besteht aus einem weiten Oberteil und einer weiten Hose (gelegentlich dreiviertellang). Weitere Merkmale sind die am Filzkäppchen angebrachte Pfauenfeder, zum Kostümstoff andersfarbige Pompons, sowie eine Halskrause. Die Maske ist oft mit einer dichten Perücke aus Bast versehen.

 

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